Donnerstag, 18. August 2016

Mit Temperguss Rohren arbeiten 101 - Industrial interior selbst gemacht



Sooooo, meine Lieben! Ich plane einen kleinen Dreiteiler. Es geht um das große DIY für das Projekt Küche, das ich euch versprochen habe. Und das wird sein... *Tatatatataaa und Trommelwirbel*: Ein Servierwagen! [Link zum DIY jetzt hier]
Ich liebe diese Dinger. Sie sind echte Allroundtalente, super praktisch und sehen toll aus! Und ich wollte schon immer einen. Also habe ich beschlossen für die neue Küche einen selber zu bauen. Und zwar aus Temperguss-Rohren. Das sind diese dunklen Rohre zum Zusammenschrauben, die sehr häufig in DIYs rund um den Industrial Style verwendet werden. Und das zu Recht!
In diesem Post bekommt ihr einen kurzen Crashkurs in allem, was ihr zum Thema "Mit Temperguss arbeiten" wissen müsst, bevor ihr euer eigenes Projekt startet.
Die nächsten zwei Posts des Dreiteilers werden das eigentliche DIY zum Servierwagen und Gründe, sich einen Servierwagen anzuschaffen.


Pros

  1. Unendliche Möglichkeiten. Und ich meine Unendliche! Rohre kann man zu nahezu allem Möglichen zusammen schrauben. Man braucht nur Phantasie, Geduld und einen groben Plan. Servierwagen, Regale, Couchtische, Betten,... alles ist möglich!
  2. Stabilität. Sie sehen nicht nur Industrial-mäßig aus, sie sind es auch. Wenn man etwas damit baut, ist es nahezu unkaputtbar.
  3. Relativ günstig. Dabei werden sich wohl die Geister scheiden. Die Temperguss Rohre und Verbindungsteile sind definitiv nicht so günstig wie zum Beispiel manches Holz. Andererseits hat man dann aber auch etwas Stabiles und einzigartiges das sonst nur wenige haben. Und verglichen mit ähnlichen Möbeln die es zu kaufen gibt, ist man mit Temperguss immer noch sehr günstig dabei. Beim richtigen Tutorial zum Servierwagen werde ich euch einen Überblick über die Kosten geben, dann könnt ihr euch selbst ein Bild machen. [Link zum DIY jetzt hier]
  4. Es sieht toll aus.


Cons

  1. Es gibt günstigere Materialien. Wie bereits oben erwähnt, ist Temperguss nichts für strenge Sparfüchse. Aber ich für meinen Teil nehme für ein großes Projekte ab und zu gerne etwas mehr Geld in die Hand um dafür etwas super Tolles zu erhalten.
  2. Arbeit. Ich will euch nichts vormachen: mit Temperguss zu werkeln ist schwere Handarbeit! Das liegt daran, dass es eigentlich nicht dazu gemacht ist, damit zu basteln. Die Rohre kommen vom Baumarkt mit einer schmierigen Beschichtung, es ist am Anfang eine dreckige Angelegenheit. Wie ihr sie am besten säubert seht ihr unten. Außerdem ist es alles nicht 100% genau. Vor allem die 90° Winkel sind manchmal nicht in einem perfekten rechten Winkel, und es kostet manchmal viel Kraft oder Erfindungsreichtum um es passend zu machen. Also ist es nichts für die Perfektionisten unter euch! 
  3. Die Sache mit dem Kreis. Etwas, dass ich am Anfang überhaupt nicht bedacht habe, war was passiert wenn man irgendwo im Projekt einen Kreis schließt.
    Der "Kreis" kann dabei auch über Eck laufen (wie auf dem Bild), aber sobald ihr irgendwo in eurem Rohrkonstrukt einen Kreislauf schließt habt ihr ein kleines Problem: Man kann ein Rohr nicht hereindrehen. Egal wie man es dreht und wendet, irgendwo gibt es ein Rohr, das man nicht am zweiten Ende hereinschrauben kann, weil man das andere Ende damit wieder heraus drehen würde. Es gibt aber Lösungen dafür, die ihr unten nachlesen könnt.
  4. Farbenquaos. Es gibt Temperguss Rohre durchaus in schwarz, allerdings ist es erstens kein richtiges schwarz, sondern eher dunkelgrau (ich finde es aber superschön) und zweitens gibt es das nicht so oft. Bei mir hier im Baumarkt gibt es nur silbernes und alle Teile in schwarz zu finden ist besonders bei langen Rohren nicht so leicht. Meine Lösung dazu findet ihr gleich hier darunter.



Reinigung und Farbe

Wenn ihr schwarze Rohre wollt, und es die nicht in dem Baumarkt eures Vertrauens gibt, habt ihr zwei Möglichkeiten:


Online einkaufen
Was es im Baumarkt nicht gibt, könnt ihr wie so oft online bestellen. Meine Rohre und Verbindungsteile habe ich von iltubo.de, das ist ein kleiner online Shop extra für DIY Projekte mit der größten Auswahl an schwarzem Temperguss die ich gefunden habe.
Alternativ könnt ihr aber auch bei schwarte-shop.de nachschauen, die haben auch einiges.

Temperguss Rohre bemalen
Das Dumme ist nur: man findet keine längeren schwarzen Temperguss Rohre. Für den Servierwagen brauche ich 60cm lange und die habe ich nur im Baumarkt in Silber gefunden. Außerdem sind die Rohre nicht wirklich schwarz (obwohl mir das anthrazit auch sehr gut gefällt). Also muss eine zweite Lösung her:



Ihr braucht

  • Eure Rohre und Verbindungsstücke
  • Einen (Putz-) Eimer
  • Wasser und Spülmittel
  • Glasreiniger
  • Schleifpapier
  • Eine Grundierung die für Zink geeignet ist (ich habe diese rechts)
  • Die Farbe in der ihr eure Rohre anstreichen wollt (Bei mir war es matt schwarze Sprühfarbe die mein Vater noch übrig hatte. Im Grunde ist die Farbe egal, aber matt würde ich euch empfehlen)
 




1.Schritt

Zuerst müsst ihr die Rohre reinigen. Macht das wirklich, anders geht die Farbe selbst bei kleinsten Berührungen ab (ich spreche aus Erfahrung!). Sie sind nämlich gekauft alles andere als sauber und fettfrei. Auf eurer Grundierung steht normalerweise wie ihr das machen sollt. Auf meiner Dose stand "Zinkflächen sorgfältig mit einem Schleifvlies und einem Gemisch aus 10 l Wasser, 1 l Salmiakgeist (9%ig) und etwas Spülmittel nass schleifen, bis ein Schaum entsteht".
Da ich aber keine Lust hatte (schon wieder) in den Baumarkt zu fahren um dann 99% der Flasche ewig rumstehen zu lassen weil ich sie nie wieder brauche, habe ich ein bisschen improvisiert:
Füllt euren Eimer mit Wasser und gebt reichlich Spülmittel und Glasreiniger dazu. Im Glasreiniger ist Salmiakgeist enthalten. Für kleine Flächen reicht es dann völlig, wenn ihr eure Rohre sauber mit der Mischung abwascht, dann das Schleifpapier hineintaucht und damit ordentlich über die Rohre schrubbt.
Danach mit viel Wasser abspülen und trocknen lassen.



2.Schritt

Tragt die Grundierung nach den Angaben auf der Verpackung auf. Zwei Anstriche sollten genügen. Ich tupfe anschließen meistens noch eine weitere Schicht mit dem Pinsel auf. Damit erhaltet ihr eine unregelmäßige, raue Oberfläche wie schwarzer Temperguss normaler Weise ist.
Vergesst beim Bemalen nicht, die Gewinde mit Klebeband abzudecken. Alternativ könnt ihr die Rohre auch schon zusammen schrauben und in diesem Zustand anfangen zu bemalen. Wenn ihr sie nicht mehr auseinanderschrauben müsst, um weiter zu arbeiten spart ihr euch dadurch abkleben und unsaubere Übergänge.

Grundierung getupft (oben) oder normal

3.Schritt
Nun könnt ihr die Farbe auftragen. Wartet vor den nächsten Verarbeitungsschritten aber lieber über Nacht ab, damit die Farbe auch wirklich gut durchtrocknen kann.
Ich war positiv überrascht wie gut es hält (vor Allem im Vergleich zu meinem ersten Versuch, sie einfach direkt zu besprayen). Wenn ihr aber doch mal mit einer scharfen Kante hinkommen solltet oder beim Zusammenschrauben etwas abgeht, sprüht etwas Farbe in den Deckel der Dose und übermalt es mit einem Pinsel. Dann ist es wieder wie neu!





Die Sache mit dem Kreis


1.Möglichkeit Vermutlich die schlauste. Plant bei der Planung eures Projekts dieses kleine Wunderteil (Verschraubung Nr. 330) mit ein. Es ist ein Gewinde, das es euch ermöglicht alle Gewinde im Kreislauf zu verschrauben.

2.Möglichkeit Dreht die letzte Stange am einen Ende so weit wie möglich in das Gewinde. Setzt dann das andere Ende der Stange an das Gewinde und dreht es dadurch hinein, indem ihr es am anderen Ende wieder heraus dreht. Das kann einiges an Kraft und Geduld fordern, denn die Gewinde verkanten wenn sie nicht richtig aufeinander sitzen und man kann sie nicht hineindrehen. Mit einer Hilfsperson sollte es aber kein Problem sein.
Der Nachteil dieser Methode ist, dass ihr die Stange dann in beiden Gewinden nur halb hinein drehen könnt. Für die Stabilität reicht das vollkommen, allerdings ist diese Seite dann länger als die gegenüberliegende Seite, in die ihr das Gewinde noch normal hineindrehen konntet. Diese Ungleichmäßigkeit umgeht ihr, wenn ihr auch diese Stange nur bis zur Hälfte hinein dreht auch wenn ihr sie ganz reinschrauben könntet.

3.Möglichkeit Feilt das Gewinde am einen Ende der Stange ab, sodass ihr es ohne Hindernis in das zweite Ende hineinschieben könntet. Dann klebt ihr dieses mit Metallkleber hinein.


So, jetzt seid ihr bestens vorbereitet um euer eigenes Temperguss-Projekt zu starten. Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei!
Schickt mir gerne Bilder davon!
Eure Mo ▽

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